Keinen Bock auf Volksgemeinschaft! Für Freiheit und Menschenwürde. Nazidemonstration am 25.10. in Leipzig verhindern

Die „Freien Kräfte“ Leipzig rufen für den 25.10.2008 13 Uhr zu einer Demonstration auf. Durch den Leipziger Osten soll dieser Aufmarsch führen. Wir meinen, dass sich der Versuch weiterhin lohnt: den Nazis dort, wo sie glauben ihr Terrain für ein paar Stunden öffentlichkeitswirksam markieren zu können, entgegenzutreten. Wir lassen uns durch die Verhinderungstaktik der Polizei nicht einschüchtern. … wenn alle kommen, sind wir viele… Kommt zur antifaschistischen Demonstration am 25.10.2008, 11 Uhr ab Hauptbahnhof/ Ostseite

Beinah jedes Wochenende finden bundesweit Naziaufmärsche statt. Zwei Stück waren es in Sachsen allein bis Mitte Oktober, in Leipzig steht am 25.10. die sechste in diesem Jahr an. War das Interesse den Manifestationen menschenverachtender Ideologie entgegenzutreten in breiten Teilen der Bevölkerung nie besonders ausgeprägt, machen sich auch in der antifaschistischen und zivilgesellschaftlichen Szene Müdigkeit und Ratlosigkeit breit. Je massiver und gewalttätiger die sich als „Freie Kräfte“ organisierenden Nazis auftreten, desto größer scheint die Ignoranz der breiten Masse zu werden. Da werden Appelle ausgegeben die rechten wie linken „Extremisten“ zu ignorieren (Geithain, 3.10.),da wird das „zu Hause bleiben gegen rechts“ proklamiert
(Zwickau, 11.10.). In Leipzig wird nur noch geschwiegen: weder die Stadt, noch die BürgerInneninitiativen-Zivilgesellschaft erheben das Wort, die Lokalpresse stellt die, die sich offensiv gegen die größten Feinde der Emanzipation stellen, in die Extremisten-Ecke.

Was geht: Die „Freien Kräfte“ Leipzig rufen für den 25.10.2008 13 Uhr zu einer Demonstration unter dem Motto „Unser Volk stirbt. Volkstod aufhalten!“ auf. Durch den Leipziger Osten, konkret Schönefeld und Sellerhausen, soll dieser Aufmarsch führen. Nach Reudnitz, Grünau und Grosszschocher wählen sie wiederum ein Ortsteil am Stadtrand. Dass dahinter Strategie steckt, bleibt kaum verborgen. Offensichtlich spiegelt sich in Orts- und Themenwahl auch das Bündnis mit der NPD. Der Leipziger Osten gehört zu den Stadtgebieten, in denen die NPD bei den Landtagswahlen 2004 überdurchschnittlich viele Stimmen bekam. Mit dem Beschwören der demografischen Katastrophe wird in ihrem Demoaufruf in völkischer Manier die „Abwicklung“ der Deutschen an die Wand gemalt und gegen MigrantInnen gehetzt. In Anlehnung an die NPD fordern die „Freien Kräfte“ u.a. ein „Müttergehalt“ (natürlich nur für Deutsche) und einen „Zuwanderungsstopp“. Bei wem noch nicht angekommen ist, dass ein auf dem blutsmässigen Abstammungsprinzip basierendes Gesellschaftskonzept reaktionär und rassistisch ist, dem ist nicht zu helfen. Im übrigen bestimmt das so genannte „ius Sanguinis“ (Recht des Blutes) noch heute in Grundzügen das deutsche Staatsbürgerschaftsrecht. Auf dieser Grundlage werden Menschen nicht-deutscher Herkunft diskriminiert und sozial deklassiert. Auch Frauen, die die Nazis fürs Mutter-Sein belohnen wollen, sind in dieser Gesellschaft weiterhin benachteiligt. Die „freien Kräfte“ radikalisieren die Perspektive auf Frauen als die „weichen“, für die Reproduktionsarbeit zuständigen Parts.

Lasst uns gemeinsam für Grenzenlosigkeit demonstrieren: für eine Gesellschaft ohne künstliche Unterschiede, wie Abstammung oder Lebensweise, ein Leben ohne Ausbeutung und Abwertung.


Presseinformation des Ladenschluss-Bündnisses, 13.10.2008

Auf der Homepage der Ultragruppierung „Blue Caps“ (http://blue-caps-le.com) findet sich ein Aufruf zur Demonstration des „Freien Netzes“, der Internetplattform der neonazistischen „Freien Kräfte“ Leipzig (FKL). Das Motto der Demonstration ist „Unser Volk stirbt! Volkstod aufhalten!“. Die Demonstration soll am 25. Oktober in Leipzig stattfinden. Dies bestätigte auch das Ordnungsamt Leipzig.

Ideelle wie personelle Überschneidungen zwischen „Blue Caps“ und den „Freien Kräften“ sind seit längerem bekannt – so übernehmen die „Blue Caps“ Ordnerdienste bei NPD-Veranstaltungen und treten bei Demonstrationen der „Freien Kräfte“ auf, zuletzt auf den Kundgebungen nach dem Tod der achtjährigen Michelle. Auf Plakaten wurde unter anderem „Todesstrafe für Kinderschänder“ sowie „Nationaler Sozialismus jetzt“ gefordert. Wie der 1. Vorsitzende des 1. FC Lok Leipzig, Steffen Kubald, vor zwei Wochen auf einer Podiumsdiskussion berichtete, trat ein Anhänger der „Blue Caps“ an dessen Vorstand mit der Bitte heran, den aus Nazikreisen stammenden Slogan „Todesstrafe für Kinderschänder“ auf die Vereinshomepage zu übernehmen, was Kubald aber ablehnte.

Die Ultragruppierung „Blue Caps“ existiert seit 2006. Personen aus dem Spektrum der Gruppierung fielen vermehrt durch Gewalt, rassistische und antisemitische Äußerungen auf. Seitens des Vereins 1. FC Lok Leipzig wird die Gruppierung seit längerer Zeit als problematisch ausgegrenzt, mehrere Mitglieder haben Stadionverbot.

Beim Fanprojekt von Lok Leipzig wird dies anders gehandhabt. Das von der Stadt Leipzig, vom Land Sachsen und dem DfB finanzierte Projekt, welches Fangruppierungen betreut und eigentlich auf eine gewalt- und diskriminierungsfreie Fanszene hinwirken soll, beherbergt die „Blue Caps“ seit Beginn an. Die Blue Caps haben dort sogar einen eigenen Raum.
Der Fanprojektleiter Udo Überschaer meint dazu, daß er diese durch die Zusammenarbeit mit den „Blue Caps“ unter Kontrolle halte. Noch vor dem Auswärtsspiel in Jena am letzten Wochenende äußerte er, wenn es diese Zusammenarbeit nicht gäbe, könnte es in Jena zu „Sprüchen kommen, die wir nicht mehr dämmen können“. Dass es trotzdem antisemitische Äußerungen aus den Reihen der „Blue Caps“ gab, zeigt zum wiederholten Male, dass Überschaers integrativer Ansatz nicht funktioniert. Das Fanprojekt gibt Neonazis einen Raum und bietet ihnen die Infrastruktur, ihre Ideologie im Stadion zu verbreiten. Nicht zuletzt rekrutieren Nazis im Stadion ihren Nachwuchs. Auch das ist Überschaer bewußt, wenn er meint, bei den Blue Caps gäbe es „nicht nur Rechte, es sind auch viele, die mitlaufen“. Weder gelingt es dem Fanprojekt, die Personen mit verfestigtem neonazistischem Weltbild auszuschließen, noch deren Wirken im Stadion zu verhindern. Das alles mit Geldern, die für die Bekämpfung (neo)nazistischer, diskriminierender Strömungen im Fußballstadion bereitgestellt werden – eine völlig absurde Situation, die mit dem Demoaufruf für den 25.10. nur ihre Fortsetzung findet.

Wir fordern vom Fanprojekt Konsequenzen. Die „Blue Caps“ gehören klar und deutlich ausgeschlossen. Sie vertreten offensichtlich rechte Ideologien und kooperieren mit den nazistischen „Freien Kräften“.