400 Menschen versammelten sich am 3.10. in der Stadt Geithain (zwischen Leipzig und Chemnitz) um eine Nazidemonstration zu verhindern und dem offiziellen Deutschland eine Absage zu erteilen. „Schöner Leben ohne Deutschland – Gegen jeden Nationalismus – Freies Netz abschalten!“ so das Motto der kurzen, aber kraftvollen antifaschistischen Demonstration.
Auf dem Geithainer Markt angekommen, der auf der Route der Nazis lag, gelang es bis ca. 14 Uhr auszuharren und eine Sitzblockade zu formieren. Die Polizei reagierte nicht mit direkter, wohl aber mit indirekter Gewalt. Den zum großen Teil per Bus angereisten AntifaschistInnen wurde gedroht, ihre Busse aus der Stadt zu verweisen, so dass diese mit dem Zug aus Geithain abreisen hätten müssen. Angesichts der Tatsache, dass die Nazis per Zug anreisen, keine optimale Aussicht. Die Sitzblockade löste sich im Zeichen dieser Drohgebärde auf. 2 Stunden später marschierten lediglich 200 Nazis durch die Stadt.
Im Vorfeld des 3.10. war die Geithainer Bürgermeisterin (CDU) von der Idee der nazistischen Demonstration offensiv entgegenzutreten abgerückt, sehr wahrscheinlich aufgrund Drucks von oberer Stelle. Stattdessen ging die offizielle Stadtpolitik dazu über im Zeichen des unsäglichen Extremismusparadigmas Rechte und Linke in einen Topf zu werfen und die Bürgerschaft aufzurufen, an diesem 3.10. zu Hause zu bleiben.
Einmal mehr bewies eine sächsische Kleinstadt damit, dass sie die rechte Bedrohung, die im Umkreis von Geithain – Colditz oder Mittweida – krasseste und gewaltvolle Ausmaße annimmt, nicht ernst nehmen. Weder in einer Ausnahmesituation wie im Falle der Nazidemo noch im Alltag. Wir kommen wieder, keine Frage.

Aufruf 3.10.2008
Am 3.10. ruft das Nazinetzwerk „Freies Netz“ zu einer Demonstration unter dem Motto „Revolution ist machbar – Nationaler Sozialismus jetzt“ in Geithain (zwischen Leipzig und Chemnitz) auf. Mit völkischen und antisemitischen Hetztiraden wollen sie damit dem System öffentlich ihre Gegnerschaft erklären. Ihre Alternative heißt nationale Volksgemeinschaft und bedeutet Unterordnung, Ausschluss und Gewalt.
Das gesamte „Freie Netz“ – in den letzten Monate um zahlreiche Stützpunkte gewachsen – mobilisiert nach Geithain. Am 2. Oktober findet zudem, veranstaltet vom Freien Netz Altenburg, ein „Nationaler Gesprächskreis“ statt, bei dem unter anderem Thomas „Steiner“ Wulff spricht, der als einer der Führungsfiguren der Naziszene in Deutschland gilt. In der Veranstaltungsankündigung wird explizit auf die am nächsten Tag stattfindende Demonstration hingewiesen.
Wir rufen auf den Nazis am 3.10. in Geithain entgegen zu treten. Gerade der ländliche Raum braucht solidarische Unterstützung, hier ist es um ein vielfaches schwieriger alternative, weltoffene und emanzipatorische Strukturen am Leben zu halten, nicht zuletzt wegen des Konformitätsdrucks und reaktionären Grundkonsenses der Mehrheitsgesellschaft.
Der 3.10. als Tag der deutschen Einheit bleibt zudem für linke AntifaschistInnen ein denkwürdiger Tag. Mit der Wiedervereinigung trat in Deutschland ein chauvinistischer, rassistischer Mob zutage, der die staatliche Verschärfung des Asylrechtes mit Pogromen gegen MigrantInnen begleitete. Die Vereinigung von Ost- und Westdeutschland bildete zudem den Ausgangspunkt eines außenpolitisch selbstbewusst und historisch geläutert auftretenden deutschen Nationalstaates. Dass der „global player“ Deutschland für die Nazis nicht die „richtige“ Volksgemeinschaft darstellt, ist dabei kaum verwunderlich. Sie kritisieren den
„internationalen Kapitalismus“, dessen „Knechte […] unser Land regieren“, polemisieren gegen „Multi-Kulti“ und die „Abkehr von deutscher Kultur und der tugendhaften Wert- und Moralvorstellung“.
Längst sind das jugendlich und aktionistisch auftretende „Freie Netz“ und die NPD, die bekannterweise in Sachsen ihre Hochburg hat, politische Verbündete. Der Zuspruch, den die NPD erst wieder bei den Kreistagswahlen zu verzeichnen hatte – hier und da auch mit Protagonisten des „Freien Netzes“ auf den Listen – verweist darauf, dass nazistische Einstellungen in der „Mitte der Gesellschaft“ verankert sind. Ist das Entsetzen der „aufrechten Demokraten“ angesichts der Wahlerfolge der NPD groß, legt ihre Politik der institutionalisierten rassistischen Diskriminierung oder der Relativierung des Nationalsozialismus „subtile“ Grundsteine für rechte Einstellungen.
Am 3.10. heißt es in Geithain gegen die größten Feinde einer emanzipatorischen, freien und gerechten Gesellschaft zu demonstrieren und gleichsam dem geschichtsvergessenen Deutschland eine Absage zu erteilen.
Es gibt viele Gründe: Kommt am 3.10. nach Geithain.
ab 10 Uhr antifaschistische Demonstration (Platz am Freibad) – Anreisen per Bus und Autos werden in euren Städten organisiert
Treffpunkt der Nazis ist 13:00 am Bahnhof Geithain, von da aus soll es ab 14:00 über Petermannstraße, Grimmaische Straße, Leipziger Straße zum Marktplatz gehen, von da aus über Chemnitzer Straße, Queerstraße, Dresdner Straße, Kochstraße zurück zum Bahnhof.
Angemeldet sind 100 Teilnehmer_innen, ebenso Lauti-Wagen, Fahnen und Transparente. Es wird davon ausgegangen, dass die Nazis bis zu 300 bis 400 Leute mobilisiert kriegen.
NEW::
* Reist nicht mit dem Zug an, sondern nehmt die Busse oder Autos!
* Orientierungshilfe – Download Flyer Geithain
* Ermittlungsausschuss für diesen Tag: 0341 2119313
* Demo-Tipps – lesen … Waffen und Drugs zu Hause lassen, es wird Vorkontrollen geben!
* Bus ab Leipzig – Karten im linXXnet, Bornaische Str. 3d erhältlich!