Time to say goodbye …

Am 3. Juli ist es nun soweit: die Verhandlung der Räumungsklage gegen die Thor-Steinar-Filiale am Leipziger Landgericht steht an. Die im Februar in Magdeburg stattgegebene Klage gegen Uwe Meusel, Kopf der Vertriebsfirma Mediatex, das dortige Geschäft wegen „arglistiger Täuschung“ beim Abschluss des Mietvertrages räumen zu müssen, läßt auch für Leipzig hoffen.

Das „Ladenschluss“-Bündnis ruft für Donnerstag, 3. Juli zur Teilnahme an der Verhandlung auf (14 Uhr, Amtsgericht, Bernhard-Göring-Straße, Saal 103) und veranstaltet ab 16 Uhr am „Tönsberg“ eine Party unter dem Motto „Time to say good bye“

… inkl. live-Musik mit abenteuer auftauen & !!, Djing, Redebeiträgen, allerlei Kreativem mit irgend nem Anspruch und der Gewissheit, dass linke antifaschistische Arbeit auch ohne Tönsberg wichtig ist..

goodbye3

Die bei Nazis beliebte Marke “Thor Steinar” versucht gerade in jüngerer Vergangenheit ihr Image zu verbessern. Eindeutige Anspielungen auf Nazi-Slogans und Zusammenhänge (”Ski Heil”, “Ultima Thule”) sind dezenten Kollektionen gewichen. Das alte Logo, das aus einer Tyr-Rune (Todesrune) und der Gibor-Rune (Wolfsangel), die im Nationalsozialismus u.a. von der SS getragen wurden, tauschte “Thor Steinar” infolge einiger Rechtsstreits 2005/ 2006 gegen die so genannte Gebo-Rune aus. Trotzdem sie als juristisch unbedenklich angesehen wird, macht das “Investigate-Thor- Steinar”-Recherche-Kollektiv darin ein angedeutetes vereinfachtes Hakenkreuz aus.

Neben dem Verzicht auf eindeutige Anspielungen in Erscheinungsbild und Symbolik läßt die Strategie mit eigenen Filialen in Innenstädten präsent zu sein, auf einen Versuch der “Normalisierung” von Thor Steinar schließen.
Dabei muss klar sein: Thor Steinar ist nicht “frei zu sprechen” – weder die Verquickung mit der rechten Szene wurde von den Köpfen der Marke jemals bestritten, noch wurde Abstand von dem bei Nazis beliebten Anspielen auf nordische Mythologie genommen. Im Gegenteil: Thor Steinar wird von Nazis bewusst gekauft und getragen. Jede und jeder, der die Marke verkauft und erwirbt nimmt bewusst die Propagierung menschenverachtender Ideologie und Verherrlichung des Nationalsozialismus in Kauf.

Die versuchte Ansiedlung von “Thor-Steinar”-Filialen in lukrativen Innenstadtlagen geht derweil nicht auf: sowohl das “Narvik” in Magdeburg, das “Tönsberg” in Leipzig, Dresden und Berlin sind Zielpunkt vehementer, breiter und bestimmter Proteste.

Seit der Eröffnung des “Tönsberg” im September kam es immer wieder zu Protesten. Die erste Spontan-Demonstration gegen den Laden fand zwei Tage vor dessen Eröffnung am 22.9.2007 statt. An einer Demonstration am 3.10.2007 nahmen über 2000 Menschen teil.Bis heute fanden die verschiedensten Aktionen, Info-Veranstaltungen etc. statt. Seit September verfügt das “Tönsberg” nicht mehr über eine “normale” Schaufensterfront. Spahnholzplatten schützen stattdessen die Fassade, Sprüche wie “Ladenschluss für Nazis” werden nicht mehr entfernt, der Laden wird tagsüber von finster drein blickenden Security-Leuten bewacht.

Das “Ladenschluss”-Bündnis, das sich zum Zwecke der Koordinierung und Verstetigung von Aufklärungs- und Protestarbeit gegen Nazi-Lifestyle gegründet hat, erwirkte im November 2007 eine öffentliche Stellungnahme des Leipziger Oberbürgermeisters. Dieser sprach sich darin klar gegen die Existenz eines “Thor-Steinar-”Ladens in der Stadt aus. Das Bündnis hat sich über das Thema „Thor Steinar“ und Nazi-Lifestyle hinaus als ein wichtiger Ansprechpartner in Sachen Antifaschismus etabliert.

Unser spezieller Abschiedsgruß:

Goodbye

zum Nachlesen und Nachahmen…

Urteil des Landgerichtes Magdeburg, 13.2.2008 (pdf)

…nach dem die Thor-Steinar-Filiale Narvik die Räumlichkeiten im Hundertwasserhaus räumen muss. Da der Beklagte Rechtsmittel eingelegt hat, wird voraussichtlich im August am OLG Naumburg eine Berufungsverhandlung stattfinden.


Wir sind zu ladenschluss.blogsport.eu umgezogen. Bitte aktualisiere deine Lesezeichen und/oder informiere die verweisende Seite!