Am 30. Mai zieht der „Waffen-Army-Shoes“-Laden auf die Straße der Nationen (im Zentrum der Stadt Chemnitz) um – auf dem Reklameschild prangt in großen Lettern „Thor Steinar“. Grund genug gegen diesen dubiosen Laden und Nazis(stuff) auf die Straße zu gehen.
gemeinsame Zugfahrt nach Chemnitz, Freitag 30. Mai 08
Demo ab 15:00 Hauptbahnhof Chemnitz
Aus dem Aufruf:
///DIE WAHRE MITTELSTANDSMEILE
Wenn es überhaupt einen Mittelstand geben sollte, so sind das brave, stolze Deutsche, wie Tobias Schneider, der von seinem „Waffen-Army-Shoes“-Schmuddelwürfel gegenüber dem Hotel Kongress am 30. Mai 2008 in die „Filet-Lage“ der Straße der Nationen umzieht. Er vollzog mit dem Sortiment seines Ladens die gleichen Veränderungen, die sich in Chemnitz in den letzten zehn Jahren zeigten. Denn neben „Aufnäher mit Che Guevara, Buttons gegen den Faschismus und noch viel mehr für ‚Linke’“ gesellten sich heimlich, still und leise „White power“-Embleme und die beliebte Camouflage von „Thor Steinar“ in die Warenwelt des Ladens. Hier regieren wieder die Gesetze des freien Marktes: Wo die Nachfrage ist, da werden erst die Angebote geschaffen. Lediglich mit „linken“ Accessoires lässt sich kein Geld mehr verdienen. „Für mich als Kaufmann zählt nur legal oder illegal.“, schrieb er dazu einst als Reaktion an die alternative Stadtzeitung „FreibÄrger“.
//ZUM VERGLEICH (AUCH WENN ES LANGSAM NERVT): LEIPZIG
Die von der Freien Presse angesprochene Demonstration von 2000 Menschen gegen das in der Leipziger Innenstadt angesiedelte „Tønsberg“ und die nicht nachlassenden Unruhen rund um den Laden in Form von Farbbeuteln, Steinen und besorgten Briefen an die Stadt, führten letztlich dazu, dass OB Burkhardt Jung verlautbarte, sich „persönlich“ dafür einzusetzen, dass der Mietvertrag zwischen „Tønsberg“ und einem privaten, also keine Rechenschaft schuldigenden Vermieter, aufgelöst würde. Frau OB Ludwig hingegen sagte auf einem öffentlichen Podium hinsichtlich des Umgangs mit dem ungleich gefährlicheren „Backstreetnoise“ angestrengt: „Das haben wir damals schon einmal probiert, doch es hat nichts gebracht. Aber wenn sie wollen, nehm ich´s noch mal mit.“, was soviel bedeutet wie: es regt sich niemand auf, also ist es egal. Zugegebenermaßen ist Lasch der Besitzer der Immobilie an der Dr. Salvador Allende Straße, was eine Intervention ungleich erschwert. Nichtsdestotrotz wurde in der Vergangenheit nicht entsprechend gehandelt und auch diesmal wird es schwer werden, ein institutionelles Einschreiten zu erwirken. Nur nach vernehmlichen Druck einer Gesellschaft, die sich nicht mit solchen Phänomenen abfinden mag, gehen die Politiker „in die Spur“, erfüllen mithin den „Wählerwillen“, der hier jedoch ein anderer zu sein scheint: Im Heckertgebiet wohnen 40 000 Hooligans.
///„NAZIS WEGBASSEN“
Wie gezeigt werden sollte, ist Schneider ein armseliges, deutsches Bockwürstchen, das nicht sehen will oder dem es schlicht egal ist, von welcher gefährlichen gesellschaftlichen Strömung es profitiert. Seine Wut an ihm als Menschen auszulassen, hieße, seinen eindimensionalen Charakter als „böse“ zu lesen. Der Umzug des „Waffen, Army & Shoes“ ist nur ein weiterer Anlass uns zu beschweren über Zustände, die nun schon seit mehreren Jahren hingenommen werden wollen, und nicht Auslöser unserer vehementen Kritik. In dieser Hinsicht haben wir auch keine „linke“ Lust mehr auf eine Demo im herkömmlichen Sinne von Betroffenheit, Schuldzuweisung und destruktiver Wut gegenüber den „Scheißnazis“ und der „Scheißgesellschaft“, auch und vor allem weil es uns langsam aufregt, die zwar selbstgewählte, anscheinend aber notwendige Rolle der ewigen Nörgler einzunehmen.
Nein, farbenfroh, laut, mit einem Herzen voller guter Musik möchten wir von der Straße aus dem Herrn Schneider und allen anderen Zuguckern ein schlechtes Gewissen einbassen. „Waffen-Army-Shoes“, „Rascal“ und wie sie alle heißen, mögen sich richtig schämen!
