Review der Aktionstage „Ladenschluss für Thor Steinar & Co“

Vier Tage – Vier Läden – Vier Berichte: wirksame und ausdrucksstarke Aktionen, Präsenz antifaschistischer Politik und Kultur im öffentlichen Raum, ein Laden weniger, der Thor Steinar verkauft. Ladenschluss fürs Tönsberg, Schluss mit (stylisch verpacktem) Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus. Es gibt weiter viel zu tun!


Samstag, 19.4.2008

Am Samstag folgte das Finale: Beat up, Tönsberg down vol. 3. Trotzdem die erhoffte Sonne ausblieb fanden sich in vier Stunden auf dem Platz direkt neben der im September 2007 eröffneten Thor-Steinar-Filiale um die 200 Menschen ein. Ende des vergangenen Jahres hatte die Vermieterin des Hauses „Zur goldenen Kugel“, die Immovaria GmbH, Räumungsklage gegen den unliebsamen Mieter eingelegt. Ein Resultat kontinuierlicher und offensiver antifaschistischer und zivilgesellschaftlicher Proteste. In nicht allzu langer Zeit dürfte am Leipziger Landgericht die Verhandlung gegen Uwe Meusel als Vertretungsberechtigtem der Mediatex GmbH stattfinden. Das Leipziger Tönsberg scheint derweil selbst nicht an ein „normales“ Geschäftsdasein zu glauben: die mit der Zeit vollkommen demolierte Scheibe ist durch Holzplatten ersetzt, „Ladenschluss für Nazis“ prangt darauf seit Wochen und finster blickende Türsteher bewachen den Laden Tag für Tag. So auch am heutigen Samstag. Mindestens 10 Bullenwannen plus entsprechender Besetzung direkt vor der Tür dürften potentielle Laufkundschaft noch weniger in den fragwürdigen Laden gelockt haben. Weitaus mehr Durchschlagskraft hatten die klaren Statements gegen die Marke Thor Steinar, gegen erstarkende Nazisstrukturen – „für die Freiheit, für das Leben“ auf der „Ladenschluss“-Kundgebung. DJs, Redebeiträge, Nazi-Dosenwerfen, THOR-Wand-Schießen, Buttons-Selbstmachen, Antifa-Bowle … hielten die TeilnehmerInnen bei guter Laune. Auch PassantInnen und Presse waren interessierte Gäste.
Und kurz vor dem Ende der Veranstaltung kam es wie es kommen musste: unweit sammelten sich rechte Fußball-Fans (sowohl vom Verein Lok Leipzig als auch von FC Sachsen „ Chemie“). Die Polizei schien kaum auf eine solche Störung eingestellt und ließ sich zu viel Zeit um den Störern Herr zu werden. Nach Platzverweisen versuchten diese von der gegenüberliegenden Straßenseite des Stadtrings zu provozieren. Schließlich wurde die Polizei selbst Opfer eines Feuerwerks-Angriffs. Dieser Schreck veranlasste die Ordnungshüter wohl dazu die Nazi-Hools etwas rabiater abzudrängen, so dass die antifaschistische Kundgebung in Ruhe beendet werden und die restlichen TeilnehmerInnen gemeinsam in Richtung des Leipziger Südens ziehen konnten.

Freitag, 18.4.2008

Am Freitag war eine Kundgebung am „Miss Liberty“ angesagt. Der in der Leipziger Innenstadt gelegene Laden hat neben allerlei Skurrilitäten (DDR-Fahnen, Che-Guevara-T-Shirts und Army Stuff und seinerzeit auch Reichskriegsflaggen) auch die Marke Thor Steinar im Sortiment.
Ca. 80 Menschen protestierten gegenüber des Ladens und waren mit einem aufgeregt umherlaufenden Inhaber konfrontiert, der schlussendlich ein Original-Schreiben der Mediatex-GmbH herumreichte, das belegt, dass er den Vertrag über den Verkauf der Marke kündigt. Die Restposten allerdings will er noch los werden, ebenso wie er mit den Kategorien „rechts“ oder „links“ nichts zu tun haben will. Nicht politische oder zivilgesellschaftliche Weitsicht bewegen ihn, sondern Angst vor Rufschädigung.
Am Rande der Freitagskundgebung gab es eher komisch anmutende Auseinandersetzungen mit der Polizei: junge Leute, die sich bzw. ihre antifaschistische Einstellung mit Kreide auf dem Fußweg verewigen wollten, wurden aufgehalten – dies stelle eine Ordnungswidrigkeit dar . Ein trotzdem zustande gekommenes „Gegen Nazis“ wurde durch eine konzertierte Kreide-Aktion dann doch noch und unter den Augen der Polizei durch ein „Stopp Thor Steinar“ ergänzt. Tipp am Rande: biologisch abbaubare Kreide beugt sinnlosen Diskussionen mit den Ordnungshütern vor ;)

Donnerstag, 17.4.2008

Am Allee Center in Leipzig-Grünau fand am Donnerstag die 2. Kundgebung im Rahmen der Aktionstage gegen Thor Steinar und Co statt.
Rund 60 Leute waren dem Aufruf des „Ladenschluss“-Bündnisses gefolgt.
Leipzig-Grünau gilt als Schwerpunktgebiet rechter Aktivitäten – Schmiererein, Aufkleber und tätliche Angriffe zeugen davon. Erst am vergangenen Wochenende gab es im Stadtteil eine Demonstration „Her mit der bunten Vielfalt – Für ein Alternatives Jugendzentrum in Grünau“. Das Domizil der jungen Leute von der „Bunten Platte“ wurde im Herbst letzten Jahres vom Vermieter gekündigt, weil Nazis das Haus immer wieder angriffen. Um die „deutsche Ruhe“ wieder herzustellen wurden die Opfer rechter Angriffe verbannt.

Am Rande der Kundgebung, die sich gegen den Verkauf von Thor Steinar im Laden „Boombastic“ im Allee Center richtete, sammelten sich alsbald der rechten Szene zuzuordnende Personen. Zu tätlichen Angriffen ihrerseits kam es nicht. Nach der einstündigen Veranstaltung begaben sich die TeilnehmerInnen gemeinsam und von der Polizei begleitet zur Straßenbahnhaltestelle. Fazit: Grünau bleibt ein unangenehmes Pflaster. Organisierte Nazis, Biertrinker, die Naziparolen nachgröhlen und per Handy Landser-Musik abspielen – ergeben eine bedenkliche Szenerie.
Das Ladenschluss-Bündnis unterstützt die Forderung der „Bunten Platte“ nach einem Alternativen Jugendzentrum in Grünau, das Zentrum einer antifaschistischen, bunten Kultur im Stadtteil sein könnte. In Richtung des „Boombastic“ wurde die Forderung bekräftigt, Thor Steinar aus dem Sortiment zu verbannen: wer die politische Aufladung dieser Marke ignoriert, ignoriert damit auch die Gefährlichkeit rechter Ideologien.

Mittwoch, 16.4.2008

Um die 50 Menschen fanden sich spontan zusammen, um dem in einer Passage versteckten „Mc Trend“ in der Leipziger Innenstadt einen Besuch abzustatten. Wegen einer parallel durch die Stadt verlaufenden Demo gegen Fluglärm war die Polizeipräsenz hoch und führte dazu dass die spontane Demo angemeldet werden musste. Mit minimaler Polizeibegleitung wurde vor dem „Mc Trend“, der Thor Steinar-Ware in seinem Sortiment führt eine Kundgebung abgehalten.

Im Redebeitrag hieß es: „Thor Steinar ist vor allem in der Neonaziszene beliebt. Eindeutige Symboliken und Schriftzüge, aber auch Personalüberschneidungen der Mediaetex GmbH mit der rechten Szene sowie die Tatsache, dass Läden wie das Narvik in Magdeburg oder die Tönsberg-Filialen in Leipzig und Berlin potentielle Treff- und Sammelpunkte von Neonazis werden, führen zu dem klaren Statement: Thor Steinar, Eric & sons, Consdapble etc sind die kulturelle Begleitmusik zum politischen Handeln von Nazis.
Es ergeben sich 2 Konsequenzen:
1. JedeR der/die Thor Steinar kauft unterstützt die BetreiberInnenund die rechte Szene bei ihrem Vorhaben, subtile völkische und antisemitische Symboliken gesellschaftsfähig zu machen.
2. Wir fordern die sofortige Schließung des Tönsberg in Leipzig sowie aller anderen Naziläden.“


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