Räumungsklage gegen Thor Steinar-Filiale in Leipzig

Über die Zukunft des umstrittenen Geschäfts „Tonsberg“ in der Richard-Wagner-Straße, der die von Rechtsradikalen bevorzugte Marke Thor Steinar vertreibt, entscheiden die Richter. Die Berliner Immobilienfirma Immovaria hat jetzt eine Räumungsklage gegen den Laden beim Landgericht Berlin eingereicht, teilte Mitarbeiter Robert Girod gestern auf Anfrage mit.

Wie berichtet, hatte das Unternehmen das Ladenlokal für drei Jahre an Uwe Meusel, Geschäftsführer des Thor-Steinar-Vetriebs Mediatex GmbH mit Sitz in Brandenburg, vermietet. Das Geschäft war im September eröffnet worden. Seither hatte vor allem die linksalternative Szene massiv dagegen protestiert, zuletzt am Sonnabend. Immer wieder war es zu Demonstrationen gekommen, aber auch zu Brandanschlägen und Attacken von Steinewerfern.
Aufgrund der ständigen Unruhe hatten sich auch Geschäftsleute in der näheren Umgebung zunehmend besorgt gezeigt. Bei einem Friseursalon nebenan waren im Zuge von linksextremen Gegenaktivitäten Scheiben zu Bruch gegangen. Und auch die Chefetage des Marriot-Hotels hatte im Interesse der Sicherheit der Gäste schon vor Monaten auf „eine schnellstmögliche Regelung des Gebäudeeigentümers“ gedrängt.

Immovaria hatte deshalb zunächst versucht, dem Thor-Steinar-Leuten einen freiwilligen Rückzug nahezulegen. „Wir haben den Mietvertrag angefochten, weil wir bei Vertragsabschluss nicht über das tatsächliche Sortiment des Geschäftes informiert worden sind“, erklärte Girod. Das Tragen von Thor-Steinar-Bekleidung ist wegen deren Nähe zum Neonazi-Spektrum in mehreren Fußballstadien und inzwischen auch in der Moritzbastei verboten. Seitens der Mieter sei jedoch immer nur ganz allgemein von Streetwear die Rede gewesen, so Girod. „Der Interessent sagte, es soll eine Überraschung werden.“ Doch im Oktober hatte Immovaria einräumen müssen, dass die Verhandlungen mit dem Mieter gescheitert sind.

Diese Hartleibigkeit von Mediatex-Chef Meusel überraschte Szenekenner nicht. Nach Ansicht des sächsischen Verfassungsschutzes ist das Bemühen des Thor-Steinar-Vertriebs um innerstädtische Filetstücke Teil des Konzepts. „Man mietet ganz bewusst Läden im Zentrum und nicht am Stadtrand“, erklärte Behördensprecher Alrik Bauer. „Das ist ein ganz deutliches Signal für das Bestreben der rechtsextremen Szene, die Mitte der Gesellschaft zu erreichen.“
Ob sie zeitnah verdrängt werden kann, ist trotz der Räumungsklage fraglich. In Berlin war der Mietvertrag für einen „Tonsberg“-Laden am Alexanderplatz erst nach zwei Jahren massiven Protestes gekündigt worden. Und in Magdeburg verhandelt seit Mitte November das Landgericht wegen einer Räumungsklage des Vermieters gegen einen Thor-Steinar-Laden. Freiwillig wollte Meusel nur gegen Zahlung einer sechsstelligen Summe von dem Mietvertrag im Hundertwasserhaus zurücktreten, hieß es.

Frank Döring, LVZ 18.12.2007


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