„Schöner Leben ohne Naziläden“ ist der Name einer Kampagne gegen Geschäfte, die rechtsradikale Kleidung verkaufen. Seit einiger Zeit muss das Aktionsbündnis auch in Leipzig aktiv sein. Denn mitten in der Innenstadt hat ein Geschäft eröffnet, dass die rechtsextreme Marke „Thor Steinar“ vertreibt. Der Vermieter des Geschäfts, möchte seinen unliebsamen Mieter so schnell wie möglich loswerden. Doch das könnte schwieriger als gedacht werden, wie ein Blick über die Landesgrenzen hinaus zeigt: in Magdeburg ist die Situation ähnlich. Christine Müller, Reporterin beim Leipzig Uni-Radio mephisto 97,6 hat mit den Aktionsbündnissen in Leipzig und Magdeburg gesprochen
Die neuen Rechten wirken harmlos. Schon lange tragen sie nicht mehr nur Bomberjacke und Springerstiefel. Sondern bevorzugt die Marke Thor Steinar. Sie steht für Mode, die nicht aus der Masse heraussticht. Sie sieht aus wie normale Streetwear, verwendet aber bei zahlreichen Kleidungsstücken Zeichen, die ein bewusster Anknüpfungspunkt an die nationalsozialistische Symbolik sind. Die Firma Mediatex aus Königs-Wusterhausen in Brandenburg, die die Kleidung herstellt, wird mit rechtsextremen Strukturen in Verbindung gebracht. Jonas Grutzpalk, Mitarbeiter des brandenburgischen Verfassungsschutzes sagt, dass es Rechtsextremisten gibt, die der Firma angehören. Das ist auch der Grund für die zahlreichen Proteste vor dem Leipziger Geschäft „Thonsberg“. Seit der Eröffnung im September organisiert das Aktionsbündnis „Ladenschluss“ den Protest. Das der nicht abreißt, dafür sorgt Juliane Nagel, Organisatorin des Aktionsbündnisses.
„Wir haben für Dezember uns auf die Agenda gesetzt mit Aktionen präsent zu sein, wir hatten vor zwei wochen so ein Kulturevent vor dem Laden direkt, angemeldet mit Elektromusik, wo leute die ganze Zeit präsent waren, nächstes Wochenende ist ein bundesweiter Aktionstag und am 22.12. haben wir eine Satireaktion vor , wo wir mit Logo und dem Bezug zu der Runensymbolik, die Thor Steinar ja im Symbol trägt. So ein bisschen auf die Schippe nehmen wollen.“
Mit dem Protest wollen die Organisatoren vor allem Druck auf den Vermieter, die Berliner Immobilienfirma „Immovaria“ ausüben. Die Firma sagt nichts zum aktuellen Stand der Dinge, Juliane Nagel vermutet jedoch, dass der Protest der vergangenen Wochen erfolgreich gewesen sein könnte.
„Der Vermieter hat sich ja aufgrund dieses massiven Druckes, ein Gespräch wohl geführt mit dem Tönsberginhaber und das hat nicht gefruchtet, da ging es um die vorzeitige Auflösung des Mietvertrages und in der Folge hat er dann angekündigt, das Mietverhältnis per Klage aufzulösen. “
Auch in Magdeburg gibt es seit Juli ein ähnliches Geschäft. Dort läuft bereits ein Gerichtsverfahren. Die Chancen auf eine Räumung schätzt Sören Herbst, Organisator des Protests in Magdeburg eher gering ein.
„Was dem Uwe Meusel nachgewiesen werden muss ist, dass er eine pflicht gehabt hätte über dieses spezielle Sortiment zu informieren. Wo ist der Unterschied zwischen thor steinar und einer normalen Modemarke. An dieser frage wird sich das Aufhängen und wenn das nicht nachgewiesen werden kann, dass es da eine spezielle berichtspflicht im vorherein gibt, dann wird auch diese Räumungsklage keinen Erfolg haben. “
Doch auch wenn der Rechtsweg aufgrund des Mieterrechts wenig erfolgversprechend ist, gibt es Möglichkeiten gegen Thor Steinar im Alltag vorzugehen. Die Moritzbastei in Leipzig geht da mit gutem Beispiel voran. Bereits seit Mitte November wird in den Räumlichkeiten des Leipziger Clubs die Marke nicht mehr geduldet. Damit, so erklärt Thorsten Reitler, Pressesprecher der Moritzbastei soll ein Zeichen gesetzt werden.
„Wir können uns nicht an die tür stellen und nun alle bis auf die unterwäsche kontrollieren was sie anziehen, die bekleidung ist ja nun auch nicht so erkennbar auf den ersten blick, das da irgendwelche hakenkreuze drauf sind oder so, das ist halt so, das wenn wir das sehen oder von gästen darauf angerpochen werden, dass wir die gäste dann dementsprechend bitten, dass sie die kleidung entweder ablegen oder das haus verlassen.“
Bislang, so sagt er, hätte es noch keinen Hausverweis aufgrund der Bekleidungsmarke gegeben. Die 150 Mitarbeiter der Moritzbastei und auch zahlreiche Gäste finden den Schritt der Betreiber gut, und wünschen sich, dass sich auch andere Lokale anschließen.
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